CDU will Volkspartei bleiben
Die Radevormwalder CDU war sichtlich mit sich zufrieden. "Wir sind gut aufgestellt" - "Wir haben ein tolles Team" - "Es macht Spaß" - das waren Begrifflichkeiten, die am Mittwochabend im Mehrzweckraum mehr als einmal fielen.
Der einzige Nadelstich im CDU-Herzen heißt Dr. Josef Korsten. "Noch hat in Rade ein SPD-Bürgermeister das Heft in der Hand", sagte der alte (und neue) CDU-Vorsitzende Christian Viebach mit Betonung auf dem "Noch". Denn dass sie sich dafür gerüstet sehen, dies zu ändern, daran ließen die Rader Christdemokraten keinen Zweifel.
"Wir wollen nicht erst bei Wahlen dabei sein, sondern kontinuierliche Arbeit leisten", formulierte Viebach den eigenen Anspruch. Dabei sieht er sich auf dem richtigen Weg - auch bei unpopulären Entscheidungen wie der Schließung der Grundschule Blumenstraße: "Die Bürger akzeptieren ein offenes Wort. Und das müssen wir als einzig verbliebene Volkspartei auch weiter so handhaben." Ob Frühschoppen, ob Neujahrsempfang oder Marktstand: "Nur für die Bürger machen wir Politik."
Die Stadt allerdings brauche dringend neue Impulse. "Da haben doch viele den Eindruck, der Bürgermeister sitzt seine Zeit nur noch ab", grantelte Viebach und richtete den Blick sehnsuchtsvoll in die Nachbarstadt: "Warum kriegt Hückeswagen die Verschönerung der Kreisel hin und wir nicht? Beide Städte haben bei ¯Straßen NRW® dieselben Ansprechpartner."
Die CDU will sich verstärkt der Ehrenamtler annehmen ("Sie machen unsere Stadt liebenswert"), sie will in den einzelnen Ortschaften Diskussionsrunden einführen und alle sechs Monate zum Thema Stadtentwicklung Debatten anstoßen und Foren eröffnen. Start soll in der zweiten Jahreshälfte sein.
Von dieser Harmonie zeigte sich der Berliner Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Flosbach sichtlich angetan. "Alle Vorredner haben gesagt, wie glücklich sie sind. Das ist in Berlin genauso!" überraschte er augenzwinkernd die Radevormwalder. Die bewahrten bergischen Realitätssinn: "Das ist Galgenhumor . . ."
Flosbach betonte in seiner Rede den Status als Volkspartei: "Das ist unsere Stärke. Wir dürfen keine Klientelpartei wie die FDP und keine Ein-Themen-Partei wie die Grünen werden." Der Ausstieg aus der Kernenergie könne nur einer Volkspartei wie der CDU gelingen: "Keiner Splitterpartei!" Er habe auch für die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke gestimmt, bekannte der Waldbröler: "Aber ich sehe die Sache jetzt mit anderen Augen. Wenn etwas wie Fukushima in Europa passiert, wäre das nicht zu verantworten."
Sichtlich zuhause fühlte sich der finanzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Bundestag beim Thema Wirtschaftskrise, Bankenkrise und Rettungsschirm. Für letzteren plädierte er entschieden, um verschuldeten Ländern wie Griechenland und Irland den Zugang zum Markt zu erhalten: "Aber wir verschenken nichts. Wir stellen Bedingungen."
Und wie steht's um die Große Koalition? Flosbach blieb diplomatisch. "Wir arbeiten gut zusammen. Der FDP ist unser natürlicher Partner aus dem bürgerlichen Lager." Die CDU aber soll, geht es nach Flosbach, besser noch ordentlich die Muskeln aufpumpen: 40 Prozent lautet seine Vorgabe. Eine "Unter-30-Prozent-Partei" dürfe man nicht werden: "40 plus X - dann können wir uns die Partner aussuchen!"
CDU-STADTVERBAND
WAHLEN Einstimmig wurde Christian Viebach als Vorsitzender bestätigt. Als stellvertretende Vorsitzende fungieren Sebastian Schlüter und Harald Weiss. Sandra Viebach amtiert erneut als Schatzmeisterin, Christoph Schlüter bleibt Schriftführer.Acht Beisitzer stellten sich zur Wahl und wurden in den Vorstand berufen: Ingrid Bartholomäus, Dietmar Busch, Horst Enneper, Erni Huckenbeck, Olaf Jung, Dietrich Lunderstädt und Rolf Schulte.
NEU im Team ist der Vorsitzende der Jungen Union, der 17-jährige Dejan Vujinovic, der mit 27 von 31 Stimmen willkommen geheißen wurde.
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